Zu niedriger Ruhepuls – Ab wann ein niedriger Puls gefährlich wird

Ein niedriger Puls ist unter bestimmten Voraussetzungen nicht schlimm. Gefährlich wird es für den Körper, wenn dazu noch weitere Symptome auftreten. Welche das sind und was Sie generell beachten sollten, lesen Sie hier.

Dass ein zu hoher Puls der eigenen Gesundheit nicht sonderlich zuträglich ist, wissen die meisten Menschen. Doch auch ein niedriger Puls kann Anlass zur Sorge geben. Während viele Sportler von Haus aus einen niedrigeren Ruhepuls haben, der auf ihre sehr gute körperliche Verfassung zurückzuführen ist, gibt es auch Krankheitsbilder, die mit einem niedrigen Ruhepuls einhergehen. Wann ein niedriger Puls eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann und wann ein Puls als zu niedrig gilt, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

❖ Allgemeines zum Ruhepuls

Ein gesunder Ruhepuls wird auf eine Spanne von 60 bis 80 Schlägen in der Minute festgelegt. Es gibt aber auch Menschen, die nur einen Ruhepuls von 50 oder sogar einen Ruhepuls von 90 vorweisen. Dabei lässt sich festhalten, dass sich der Ruhepuls mit zunehmendem Alter erhöht. Dies lässt sich ganz einfach erklären, da der Herzmuskel im Alter an Kraft verliert. Damit das Blut weiterhin zu allen Organen gepumpt werden kann, sind entsprechend mehr Kontraktionen des Herzens erforderlich. Das Herz schlägt öfter pro Minute, so dass sich auch der Puls erhöht.

Für Sportler gilt, dass ihr Ruhepuls meist deutlich niedriger ausfällt als bei Menschen, die keinen Ausdauersport betreiben und nicht trainiert sind. Wie weit sich der Ruhepuls bei Sportlern absenkt, ist eine Frage des Typs und Fitnesszustands. Selbst ein Ruhepuls von nur 35 Schlägen in der Minute muss nicht krankhaft sein. Denn dann ist das Sportlerherz vielleicht einfach kräftig und kann seine Arbeit daher auch mit weniger Schlägen pro Minute erledigen.

Neben Sport und dem Alter gibt es weitere Einflüsse, die sich auf den Puls einer Person auswirken. Stress, Angst und Nervosität gehören ebenso dazu wie Krankheiten und Infektionen. Aber auch Koffein, das Wetter, die Tageszeit sowie die körpereigenen Hormone wirken sich auf den Puls aus. Selbst wenn zu wenig Flüssigkeit konsumiert worden ist, kann dies Auswirkungen auf den Puls haben.

❖ Wann ist der Ruhepuls zu niedrig?

Auf diese Frage gibt es aufgrund der eben genannten Faktoren keine pauschale Antwort. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Kinder einen viel höheren Ruhepuls haben, als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Ein Ruhepuls von bis zu 130 oder 140 ist für Säuglinge durchaus normal, während der Ruhepuls bis ins Erwachsenenalter immer mehr absinkt. Ein Ruhepuls von rund 70 ist bei Erwachsenen die Regel.

Kleine Ausreißer nach unten signalisieren aber noch keinen zu niedrigen Ruhepuls. Abhängig davon, welchen Trainingszustand das eigene Herz aufweist und welche Symptome außerdem noch zu beobachten sind, gilt ein Ruhepuls von 50, spätestens jedoch ein Ruhepuls von 40 als zu niedrig. Dabei kommt es auch darauf an, wie schnell der Puls von einem höheren Niveau abfällt.

❖ Wann ist ein niedriger Puls gefährlich?

Zunächst einmal sollte an dieser Stelle gesagt sein, dass ein niedriger Puls generell erstrebenswert ist. Immerhin sind Sportlerherzen trainierter als die Herzen von Menschen, die keinen Sport treiben. Dies trägt zu dem niedrigeren Ruhepuls bei, der also Ausdruck eines gesunden Körpers ist. Nicht immer bringt ein niedriger Ruhepuls jedoch die eigene Vitalität zum Ausdruck. Vielmehr kann das genaue Gegenteil der Fall sein.

Denn wenn die Herzfrequenz und der Puls abnehmen, dann heißt dies, dass sich das Herz nicht mehr so oft zusammenzieht. Wenn das Herz gleichzeitig nicht stark genug ist, um eine ausreichende Menge an Blut schnell genug durch den gesamten Körper zu pumpen, dann wird dies zum handfesten Problem. Das Blut zirkuliert dann immer langsamer.

Der Organismus versucht dem nun entgegen zu lenken, weshalb ein krankhaft niedriger Puls oftmals mit einem steigenden Blutdruck einhergeht. Die Gefäße verengen sich, was dazu führt, dass durch sie weniger Blut fließen kann. Dementsprechend kann es zu einer Unterversorgung der Organe und Muskeln kommen. Dies kann sich wiederum durch die folgenden Symptome bemerkbar machen:

  • ein Gefühl von Schwäche (auch akut möglich)
  • Müdigkeit
  • ein Zustand von Erschöpfung
  • Schwindel
  • Nervosität und Angst
  • kalter Schweiß
  • Probleme mit dem Sehen
  • Atembeschwerden
  • Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit (Ohnmacht) möglich

❖ Warum kommt es zum krankhaft niedrigen Puls?

Die eben beschrieben Symptomatik wird in der Fachsprache auch als Bradykardie bezeichnet. Dabei kann die verlangsamte Herzfrequenz auch bei Medikamenten als (ungewollte) Nebenwirkung auftreten. Ebenso ist es möglich, dass eine Herzkrankheit zu der Bradykardie und damit zu dem zu niedrigen Ruhepuls führt. Sofern der Patient bereits über einen Herzschrittmacher verfügt, kann es zu einer mechanischen Fehlfunktion dieses Geräts kommen.

Dann verlangsamt sich der Ruhepuls womöglich ebenfalls auf ein zu niedriges Niveau. Bei einer Frequenz von unter 40 pro Minute ist es sogar so, dass ein Herzschrittmacher eines der möglichen Therapiemittel ist. Ein extrem niedriger Ruhepuls kann ebenso auf die folgenden Krankheitsbilder oder Gefahrenlagen hinweisen:

  • Unterkühlung (der Stoffwechsel des Körpers fährt in solch einer Situation erheblich herunter)
  • eine koronare oder strukturelle Herzerkrankung
  • Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • Überdosierung von Medikamenten
  • Medikamentenvergiftung
  • Gelbfieber
  • Typhus

Vor allem dann, wenn die Betroffenen viele der eben genannten Symptome aufweisen und sich neben dem niedrigen Puls einfach nicht wohlfühlen, stehen die Chancen gut, dass eine der eben genannten Ursachen für diese Symptomatik verantwortlich ist. Dann gilt es im Interesse der eigenen Gesundheit schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen.

❖ Puls nicht an jeder Stelle gleich messbar

Im Übrigen ist es durchaus möglich, dass der Puls nicht in allen Körperregionen, sondern nur an einzelnen Körperstellen kaum tastbar ist. Dies kommt zum Beispiel beim Raucherbein vor. Wenn der Puls also nur in den Armen oder Beinen nicht gut zu tasten ist, dann heißt dies nicht automatisch, dass der Patient einen zu niedrigen Ruhepuls hat. Vielmehr kann es in den Armen oder in den Beinen zu einer gefährlichen Gefäß-Verengung oder sogar zu einem Verschluss gekommen sein, was die Pulsproblematik in dieser Region erklärt. Für die betroffenen Körperregionen ist dies problematisch, da sie nur noch sehr schlecht durchblutet werden, was starke Schmerzen für die Betroffenen bedeutet.

Im schlimmsten Fall fällt die Unterversorgung so stark aus, dass irgendwann eine Amputation droht. Da die Gründe für und Folgen von einem zu niedrigen Puls derart vielfältig ausfallen können, ist das Einholen von ärztlichem Rat im Sinne der eigenen Gesundheit unbedingt zu empfehlen. Denn wenn einige der genannten Krankheitsbilder nicht rechtzeitig und korrekt behandelt werden, kann dies langfristig sogar das frühzeitige Ableben der Patienten bedeuten. Dennoch ist ein niedriger Puls nicht immer als gefährlich einzustufen. In der Schwangerschaft ist allerdings besondere Vorsicht geboten, da es um die Gesundheit von Mutter und Kind geht. Ein hoher Blutdruck gepaart mit einem niedrigen Puls kann schließlich auf eine Eklampsie hinweisen.

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