Ingwer – vielseitige Wirkung auf den gesamten Körper

Ingwer ist eine scharfe Knolle und nicht jedermanns Geschmack. Aus gesundheitlicher Sicht, sollte Ingwer aber auf jedem Speiseplan stehen.

Ingwer besitzt eine lange Geschichte. Die Pflanze stammt aus den Dschungeln Asiens, vermutlich von der Insel Java. Die Bedeutung des Ingwers als Gewürzpflanze reicht Jahrtausende zurück. Bereits in vorchristlicher Zeit wurde auch die Bedeutung des Ingwers als Heilpflanze ins Spiel gebracht. Ingwer diente als Medizin und wurde als Droge für religiöse Zeremonien benutzt. Ingwer galt damals als „königliche Pflanze“, eine Heilpflanze ohne Nebenwirkungen, die auch über einen langen Zeitraum verabreicht werden kann.

Auch bei den alten Römern stand Ingwer hoch im Kurs. Im Mittelalter empfahlen Hildegard von Bingen oder Paracelsus die wertvolle Knolle ihren Patienten. Was die heilende Schärfe des Ingwer in der heutigen Zeit für uns tun kann und was wirklich in der Knolle steckt, kann im Folgenden nachgelesen werden.

Botanische Betrachtungen zum Ingwer

Bei Ingwer handelt es sich um eine Staude. Der Wurzelstock der Pflanze stellt ein Rhizom dar. Die Knollen erinnern mit ihren Verzweigungen an Fingerglieder. Aus den Knollen bilden sich bis zu 30 Zentimeter lange Scheinstängel. Eher selten gelangt der Ingwer zur Blüte. Die ährenförmigen Blüten können in gelb oder weiß erscheinen und sind bis zu fünf Zentimeter lang. Gezielt angebaut wird Ingwer in Brasilien, China, Jamaika oder Taiwan. Hauptsächlich wird Ingwer aus Indien eingeführt. Ingwer ist eine recht anspruchsvolle Pflanze, die ein tropisches Klima, eine hohe Luftfeuchte und viel Sonne benötigt.

Geerntet werden die Rhizome etwa ein Jahr nach der Pflanzung, wenn das Laub zu welken beginnt. Damit die Rhizome nicht austrocknen, werden sie unmittelbar nach der Ernte in Wasser gelegt. Anschließend wird der Ingwer geschält, gebürstet und getrocknet.
Es gibt unterschiedliche Ingwersorten, die hier kurz genannt werden:

Ingersorte Besonderheiten
Australischer Ingwer besonders mild
leicht fasrig
Brasilianischer Ingwer besonders große Knollen
Indischer Ingwer süßlich im Geschmack
erinnert an Zitrone
Jamaika Ingwer intensiv im Aroma
Nigeria Ingwer intensive Schärfe
Fidschi Ingwer trocknet nicht aus
nicht faserig
angenehme Schärfe

Ingwer und seine Inhaltsstoffe

Ingwer bringt es auf mehr als 160 unterschiedliche Inhaltsstoffe. Etwa zu 80% bestehen die Knollen aus Wasser. Weiterhin sind zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und ätherische Öle enthalten. Die Schärfe des Ingwers wird vom Scharfstoff Gingerol verursacht. Dabei handelt es sich um organische Verbindungen, welche zu Zingeron und Shoagol zerfallen. Gingerol ist ein besonders interessanter Wirkstoff, der im Ingwer mit 6-Gingerol, 8-Gingerol und 10-Gingerol in drei unterschiedlichen Arten anzutreffen ist. Die Wirkung des Scharfstoffes wird als schmerzlindernd, magenberuhigend, fiebersenkend, gerinnungshemmend und durchblutungsfördernd beschrieben. Untersuchungen haben bestätigt, dass Gingerole ähnlich wie Aspirin wirken, denn sie enthalten das gleiche Enzym wie die Acetylsalicylsäure, der Wirkstoff von Aspirin. Studien bestätigen ebenfalls die Annahme, dass 6-Gingerol sich auch bei der Behandlung von Asthma anwenden lässt.

Weitere Inhaltsstoffe und deren Wirkung:

Asparagin
Diese Aminosäure kennen wir auch vom Spargel. Ihr wird eine harntreibende Wirkung nachgesagt.
Borneol
Borneol ist ein Bestandteil ätherischer Öle und auch in Salbei oder Muskat enthalten. Borenol kann Schmerzen lindern, das Fieber senken und Leberschützend wirken.
Cineol
Auch Cineol ist ein Hauptbestandteil ätherischer Öle. Auch als Eukalyptol bezeichnet, wirkt der Stoff antibakteriell und schleimlösend. Cineol ist auch in Lorbeer oder Salbei enthalten.
Gingerdion
Gingerdion zählt zu den phenolischen Phytaminen. Pflanzen produzieren diesen Stoff, um sich vor Viren und Bakterien zu schützen. Gingerdion wirkt entzündungshemmend, blutdrucksenkend, entgiftend und verdauungsfördernd.
Myrcen
Diese farblose bis leicht gelbliche Flüssigkeit ist Bestandteil ätherischer Öle. Der Stoff kommt auch in Fenchel, Hopfen oder Kümmel vor. Myrcen kann beruhigend wirken, die Muskeln entkrampfen und Insekten abwehren.

Warum kann Schärfe heilen?

Die Phytotherapie zählt den Ingwer zu den Scharfstoffdrogen. Besitzt eine Pflanze besonders viele Scharfstoffe, können diese Einfluss auf unsere Schmerz- und Wärmerezeptoren nehmen. Innerlich können die Scharfstoffe dafür sorgen, dass mehr Speichel fließt und mehr Magensaft ausgeschüttet wird. Daher ist Ingwer ein bewährtes Heilmittel gegen Verdauungsbeschwerden und Blähungen. Auch äußerlich wird die Heilkraft der Scharfstoffe deutlich. So lassen sich rheumatische Beschwerden und Muskelschmerzen lindern.

Ingwer als Heilpflanze

Seit 1988 ist Ingwer in Deutschland offiziell als Heilpflanze anerkannt. Zu den Heilwirkungen zählen:

  • antibakterielle Wirkung
  • herzstärkende Wirkung
  • durchblutungsfördernde Wirkung
  • antioxidative Wirkung

Die heilende Schärfe des Ingwer vermag alle Körperfunktionen anzuregen und die Entgiftung, also das Ausscheiden von Ablagerungen und Schlacken, zu fördern. Auch auf der seelischen Ebene kann eine Wirkung nachgewiesen werden. So kann Ingwer helfen, innere Blockaden zu überwinden und mehr Lebensenergie zu erlangen.

Ingwer als natürliches Schmerzmittel

Studien haben bewiesen, dass Ingwer eine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung besitzt. Dabei kann die Knolle mit Medikamenten wie ASS oder Diclofencac durchaus mithalten. Es wurde eine Studie an von Arthrose betroffenen Patienten durchgeführt. Die tägliche Einnahme von Ingwer in Dosen bis zu 500 Milligramm führte zu einer Verminderung der Symptome für bis zu 36 Wochen.

Ingwer bei Muskelschmerzen anwenden

Eine diesbezügliche Studie wurde in Georgia durchgeführt. Es wurden drei Gruppen aus 74 Studenten gebildet. Eine Gruppe der Probanden erhielt rohen Ingwer, der zweiten Gruppe wurde erhitzter Ingwer verabreicht und die dritte Gruppe der Teilnehmer erhielt ein Placebopräparat. Anschließend mussten sich die Teilnehmer der Studie körperlich verausgaben. Die Studie wurde über einen Zeitraum von elf Tagen durchgeführt. Untersuchungen ergaben, dass die Teilnehmer, welche Ingwer zu sich genommen hatten, unter weniger Muskelschmerzen litten. Dabei machte es keinen wesentlichen Unterschied, ob der Ingwer roh oder erhitzt verabreicht wurde.

Ingwer bei Durchfall

Durchfall kann aufgrund vielerlei Ursachen auftreten. Sie können etwas Verdorbenes gegessen oder sich eine Infektion mit Pilzen oder Viren eingefangen haben. In jedem Fall droht bei länger anhaltendem Durchfall Austrocknung und Elektrolytmangel. Ingwer kann entkrampfend und beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt wirken und Entzündungen hemmen. Sie können bei Durchfall regelmäßig heißes Ingwerwasser zu sich nehmen oder die Ingwerscheiben auch roh kauen.

Tipp: Heißes Ingwerwasser kann auch vorbeugend gegen Reisedurchfall eingesetzt werden.

Ingwer bei Halsschmerzen

Kratzt es im Hals, kündigt sich eine Entzündung an. Sie sollten schnell zu Ingwer greifen, um den Ausbruch der Entzündung zu hemmen und die geröteten Bereiche im Hals zu beruhigen. Trinken Sie regelmäßig Ingwertee, der mit Zitrone, Zimt und Honig angereichert wurde. Vorbeugend kann mit warmen Ingwerwasser gegurgelt werden. Damit kann man sich im Winter vor Halsentzündungen schützen.

Ingwer bei Kopfschmerzen

Es gibt zahlreiche verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Die Ursachen sind unterschiedlich: Stress, Verspannungen, Erkältungen, Augenprobleme oder Nebenwirkungen verschiedener Medikamente. Die wärmende Wirkung des Ingwers entspannt den Körper und kann die im Kopf gestaute Energie in den Körper ableiten.

Tipp: In Ingwer und in Kopfschmerztabletten ist der Wirkstoff Oleoresin enthalten.

Treten Kopfschmerzen auf, sollte regelmäßig Ingwertee getrunken werden. Wer unter Migräne leidet, kann seine Schläfen mit Ingweröl massieren. Auch kalte Ingwerkompressen auf Stirn und Nacken gelegt, können Linderung bringen.

Mit Ingwer zu neuer Lebensenergie finden

Ist das Immunsystem geschwächt, fühlen wir uns nicht nur schwach und kraftlos, der Körper ist auch viel anfälliger gegenüber Krankheiten. Da die Selbstheilungskräfte geschwächt sind, erholen wir uns schlecht von Krankheiten und dies kann zu chronischen Leiden führen. Ingwer kann mit seiner entschlackenden Wirkung den Körper helfen, Schadstoffe schneller loszuwerden. Ingwer hilft bei allgemeiner Antriebsschwäche, bei Müdigkeit, Schlafstörungen, Depressionen oder Angstzuständen.

Schöner mit Ingwer

Die hautdurchblutenden Eigenschaften des Ingwers kann man sich zum Beispiel bei Akne zu Nutze machen. Tragen Sie auf die entzündeten Talgdrüsen Ingwertee oder verdünnten Ingweressig auf. Wer sich über Sonnenflecken ärgert, kann diese ebenfalls mit verdünntem Ingweressig betupfen. Verdünnen Sie den Ingweressig dazu im Verhältnis 1:1 mit Wasser. Die Scharfstoffe des Ingwers wirken gegen Pilze und steigern die Durchblutung. Eine Spülung mit verdünntem Ingweressig kann auch bei Schuppen oder Haarausfall helfen.

Besitzt Ingwer Nebenwirkungen?

Bei einer angemessenen Dosierung und Einnahme sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. In sehr seltenen Fällen kann es zu Sodbrennen oder Hautreizungen kommen. Wer zu viel Ingwer zu sich nimmt, muss damit rechnen, dass Ingwer die Blutgerinnung beeinflusst und sich der Blutdruck und der Blutzucker erhöhen.

Wer unter Gallensteinen leidet, sollte sich mit einem Arzt beraten, bevor er Ingwer zu sich nimmt. Da Ingwer den Gallenfluss anregt, könnten sich die Beschwerden verschlimmern. Es kann zu Gegenanzeigen wie Fieber, Geschwüren oder Hautentzündungen kommen.
Weiterhin kann Ingwer die Wirkung von Gerinnungshemmern verstärken.

Tipp: Ein täglicher Verzehr von etwa 50 Gramm Ingwer oder fünf Gramm Ingwerpulver sind völlig unbedenklich.

Ist Ingwer für Kinder geeignet?

Kindern unter sechs Jahren sollten keine Ingwerpräparate gegeben werden. Damit folgt man den allgemeinen Arzneiempfehlungen für Kinder. Die Mengen, welche beim Kochen und Backen verwendet werden, gelten als unbedenklich.

Darf man Ingwer in der Schwangerschaft essen?

Ingwer kann gegen Schwangerschaftsübelkeit helfen, sollte aber nur in den ersten beiden Monaten der Schwangerschaft verabreicht werden. Als Gewürz beim Kochen spricht nichts gegen die Verwendung. Hochdosierter Ingwer wirkt harntreibend, vermag aber auch die Wehen während der Geburt zu lindern.

Wie wird Ingwer eingenommen?

Ingwer kann als Tee, als Pulver oder als Tinktur eingenommen werden. Der Handel bietet auch zahlreiche Kombipräparate an, mit denen sich Verdauungsbeschwerden, Übelkeit oder Erbrechen behandeln lassen. Einen wohlschmeckenden Ingwertee bereiten Sie sich zu, wenn Sie einige dünne Scheiben Ingwer oder einen halben Teelöffel frisch geriebene Ingwerwurzel mit heißem Wasser übergießen und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Geben Sie Zitrone hinzu und süßen Sie mit Honig oder Ahornsirup. Ingwer eignet sich auch als Zutat für Kuchen, Gratins, Salate, Gemüsegerichte oder Smoothies.

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