Zöliakie – Leben mit Glutenunverträglichkeit

Glutenfreie Diät heißt nicht zwingend Verzicht, aber die Umstellung auf eine andere Ernährungsform. Unser Ratgeber zeigt, was Sie nicht essen dürfen und welche Alternativen es gibt.

Baguette, Brötchen oder Brot, wir Deutschen lieben Backwaren jeglicher Art. Frisches Brot direkt vom Bäcker, wer kann da schon Nein sagen? Die meisten Menschen müssen darauf nicht verzichten, etwa jeder 150. Deutsche schon. Grund ist das im Teig enthaltene Klebereiweiß, besser bekannt als Gluten.

Was ist Glutenunverträglichkeit?

Glutenunverträglichkeit, medizinisch Zöliakie, ist eine Systemerkrankung, die den Verdauungstrakt betrifft. Genauer gesagt kommt es bei Betroffenen zur Entzündung der Darmschleimhaut.

Grund für die Zöliakie ist das Klebereiweiß Gluten, dass sich im Getreidekorn befindet. Gluten wird benötigt, damit der Teig in sich zusammenhält und beim Backen nicht auseinanderfällt. Gluten ist in Getreidearten wie Weizen, Roggen und Hafer enthalten. In Verbindung mit Wasser entsteht eine gummiartige Masse, die die Unverträglichkeit auslöst.

Die Zahl der an Zöliakie betroffenen Patienten nimmt in Deutschland weiter zu, sodass die Krankheit inzwischen mit zu den häufigsten Ursachen für Verdauungsstörungen zählt.

Gründe für Glutenunverträglichkeit

Bis vor einem halben Jahr war die Welt noch in Ordnung und plötzlich sprechen immer mehr Symptome für den „Ausbruch“ der Unverträglichkeit. Zöliakie kann jeden und in jedem Alter treffen, die Glutenunverträglichkeit ist also keine Krankheit, die zwingend in Kindestagen diagnostiziert werden muss oder altersbedingt ist.

Vorausgesetzt ist aber immer eine genetische Veranlagung, die etwa 40 Prozent der deutschen Bevölkerung haben. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass die Zöliakie auch ausbricht. Lediglich das Risiko für Glutenunverträglichkeit erhöht sich.

Erste Anzeichen für Zöliakie

Allgemeingültige und typische Symptome, die ausschließlich einer Glutenunverträglichkeit zugesprochen werden können, gibt es nicht. Jeder Betroffene reagiert anders auf die Krankheit. Hellhörig sollten Sie werden, wenn plötzlich vermehrt Bauchschmerzen nach dem Essen auftreten, Sie ohne jeglichen Grund an Gewicht verlieren oder sich Gelenkschmerzen bemerkbar machen, die vorher nicht vorhanden waren.

Im Verdachtsfall sprechen Sie mit Ihrem Arzt, der eine Blutuntersuchung veranlassen wird. Hierdurch, und durch eine zusätzliche Magenspiegelung, können Autoantikörper nachgewiesen werden. Steht die Diagnose fest, bleibt dem Patienten nur eins: eine strikte, glutenfreie Ernährung.

Glutenfrei leben – wie funktioniert das?

Wer seine Ernährung auf glutenfrei umstellt, wird – zumindest in der Anfangsphase – vor eine große Aufgabe gestellt. In sehr vielen Lebensmitteln und Zutaten ist Gluten enthalten, allem voran unser heißgeliebtes Brot. Doch hier direkt auch eine gute Nachricht, in vielen Supermärkten und speziellen Bäckereien, kann inzwischen glutenfreies Brot erworben werden. Wem die „Alternativen“ zu teuer sind oder nicht schmecken, der steigt über kurz oder lang auf selbstgebackenes Brot um. Für die ersten Versuche genügt eine Kuchenform, da Zöliakie aber nicht heilbar ist und somit eine lebenslange glutenfreie Ernährung bevorsteht, lohnt sich im Endeffekt die Anschaffung eines Brotbackautomaten. Die Modellauswahl sollte unter praktischen Gesichtspunkten erfolgen, denn der Automat wird sehr häufig zum Einsatz kommen. Am besten holen Sie sich vor dem Kauf mehr Informationen ein.

Das gefährliche Klebereiweiß steckt aber nicht nur im Brot, sondern auch in verschiedenen Lebensmitteln, von denen man es auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde.

Glutenhaltige Lebensmittel

✗ Wurst
✗ Schokolade
✗ Hart- und Weichweizengries
✗ Fertiggerichten
✗ Fertigsoßen und – Suppen
✗ Soßenbinder
✗ Bier und Malzbier
✗ Konservengerichte
✗ Fertig-Desserts
✗ Müsli
✗ Paniermehl
✗ Nudeln

Auch bestimmte Medikamente, Kosmetika und Zahncremes können Gluten enthalten.

Glutenfreie Lebensmittel erkennen

Das Einkaufsverhalten Zöliakie-Betroffener wird und muss sich grundlegend ändern, denn Zusatzstoffe auf den Lebensmittelverpackungen müssen genau studiert werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anhand des DZG-Prüfsiegels (durchgestrichene Ähre) glutenfreie Lebensmittel zu erkennen. Allerdings sagt die Stiftung Warentest dazu:

„Ein als glutenfrei ausgelobtes Produkt darf maximal 20 Milligramm Gluten je Kilogramm enthalten.“

Worauf muss ich verzichten, was darf ich essen?

Wer sicher gehen will, kocht und backt selbst. Der Hauptverzicht liegt hierbei ganz klar auf Getreidearten wie Weizen, Gerste und Roggen. Auch Hafer sollte gemieden werden, obwohl er eine „Sonderstellung“ einnimmt, denn Hafer ohne Kontamination kann unter Umständen gegessen werden. Wer Brot, Gebäck oder Pizza selber machen will, braucht also Getreide-Alternativen. Hier unsere Vorschläge für den Start in die glutenfreie Diät:

Getreide-Alternativen

+ Reis + Kochbananenmehl
+ Hirse + Lupinenmehl
+ Mais + Mandelmehl
+ Amaranth + Kokosmehl
+ Kichererbsenmehl + Quinoa
+ Linsenmehl + Tapiok
+ Traubenkernmehl

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