Piercing Pflege – Tipps und NoGos

Ohne richtige Pflege können sich Piercings entzünden und herauswachsen. Hier lesen Sie, was beim neuen Körperschmuck zu beachten ist.

Piercings liegen voll im Trend. Wir tragen sie im Ohr, in der Nase, an der Lippe, den Augenbrauen oder im Intimbereich. Doch mit jedem Piercing ist auch ein Risiko verbunden, denn schließlich dringt damit ein Fremdkörper in die Haut ein und es entsteht eine Wunde, die vom Körper nicht auf herkömmliche Art und Weise verschlossen werden kann, sondern selbstständig abheilen muss. Gepiercte Haut bedarf besonderer Pflege, worauf es ankommt und wie sich Infektionen und Entzündungen verhindern lassen, verraten wir Ihnen nun.

Risiko Piercing – gering aber vorhanden

Im Normalfall vergehen nach dem Piercen einige Wochen, bis das Piercing vollständig verheilt ist. Der entstandene Wundkanal wird nach und nach mit neuer Haut ausgekleidet, das Infektionsrisiko ist dabei äußerst gering. Treten jedoch Komplikationen auf, kann sich die Haut um die eingesetzten Stecker, Ringe oder Stäbe entzünden.

Zu den häufigsten Komplikationen zählen:

  • infizierte Hautstellen
  • Blutungen
  • Risse

Laut einer Studie, die im Jahr 2008 in Großbritannien durchgeführt wurde, bereiten jedem Zweiten Piercings im Intimbereich Probleme. Am geringsten ist das Infektionsrisiko bei durchstochenen Ohrläppchen. Immerhin 24 Prozent machen Zungenpiercings Probleme, Bauchnabelpiercings verheilen bei etwa 15 Prozent nicht problemlos und etwa 9 Prozent bereiten Nasenpiercings Komplikationen.

Aufgepasst bei der Wahl des Piercingstudios

Damit gepiercte Haut möglichst wenig Probleme macht, kommt es auf die saubere Arbeit des Piercers an. Bei der Wahl des Studios sollte daher nichts dem Zufall überlassen werden. Seriöse Piercing-Studios klären in einem Beratungsgespräch über das Vorgehen und mögliche Risiken auf. Achten Sie darauf, dass mit keimfrei verpackten Geräten gearbeitet wird und der Piercer bei der Arbeit Handschuhe trägt.

Hautreaktionen nach dem Piercing

Kein Grund zur Panik besteht, wenn die Haut um das Piercing anschwillt. Die Wunde kann auch brennen und leicht schmerzen. Ebenso sind leichte Blutungen bei frisch gepiercter Haut normal. Tritt Wundflüssigkeit aus, ist dies ebenfalls kein Grund zur Sorge. Die Beschwerden lassen meist nach wenigen Stunden nach. Ist dies nicht der Fall und die genannten Beschwerden treten gemeinsam und gehäuft auf, sollten Sie sich im Piercing-Studio vorstellen oder einen Arzt aufsuchen.

Gepiercte Haut richtig pflegen

In den ersten Tagen und Wochen nach dem Piercen müssen Sie die Haut gründlich desinfizieren. In der Apotheke werden hierfür antiseptische Lösungen angeboten. Viele Piercer statten ihre Kunden damit aus.

» Tipp: Lösungen sind für die Hautpflege besser geeignet als Salben, da diese die Haut weniger aufweichen.

Auch wenn durch das Piercen eine Wunde entstanden ist, sollten Sie nicht auf die Idee kommen, das frische Piercing mit einem Wundpflaster zu bedecken. Dadurch würde ein feuchtes Milieu entstehen. Die Wunde könnte schlecht abheilen und das Infektionsrisiko steigt, denn der feuchte Bereich unter dem Pflaster wirkt wie ein Brutkasten für Bakterien und Keime.

» Tipp: Auch verheilte Piercings benötigen Pflege und zwar am besten mit antibakteriell wirkender Seife oder Waschlotion.

Pflegemittel für gepiercte Haut

  • Salzwasser (kann selbst hergestellt werden oder ist als Kochsalzlösung in der Apotheke zu bekommen, auch Sprays sind erhältlich)
  • Eiswürfel können zum Kühlen der geschwollenen Haut rund um das Piercing benutzt werden.
  • Kamillenkonzentrat kann für Spülungen und Bäder verwendet werden.

Welche Pflegemittel sollten Sie lieber meiden?

  • Wasserstoffperoxid
  • Jodsalben
  • Wundsalben

Verwachsungen vermeiden

Damit keine Verwachsungen entstehen, drehen Sie das Piercing regelmäßig leicht. Die Stäbe oder Ringe sollten jedoch nicht entfernt werden, bevor die Wunde komplett ausgeheilt ist. Heilt die Wunde nicht ab, sondern entzündet sich wird rot und nässt, sollten Sie den Weg zum Arzt nicht scheuen. Dieser wird den Schmuck dann vermutlich unter sterilen Bedingungen entfernen.

» Tipp: Müssen entzündete Piercings ärztlich behandelt werden, zahlt dies der Patient meist selbst, denn es handelt sich nicht um einen – aus medizinischer Sicht – notwendigen Eingriff.

Neben der Gefahr von Verwachsungen kann es auch vorkommen, dass das Piercing vom Körper abgestoßen wird. Das Piercing wächst dann heraus, dies ist kein schmerzhafter Vorgang, dennoch kann es hin und wieder zum Entstehen von Narben führen. Abstoßungsreaktionen des Piercings treten auf, wenn der Schmuck nicht richtig sitzt oder Sie unachtsam mit dem Piercing umgehen.

Piercing Pflege in den ersten Tagen

Das sollten Sie vermeiden:

  • Stress
  • körperliche Belastung
  • Berührungen
  • Schwimmbad
  • Sauna
  • Solarium
  • Vollbäder
  • Piercing herausnehmen

Sind um das Piercing Krusten entstanden, lassen sich diese mit warmem Wasser aufweichen. Pflegen Sie Ihr Piercing immer von innen nach außen, damit keine Verunreinigungen in den Wundkanal gelangen können. Tragen Sie das Pflegemittel auf und lassen Sie es einwirken. Das Piercing sollte dabei nicht bewegt werden.

Verwenden Sie flüssige Pflegemittel, wie zum Beispiel „Octenisept„. Das Präparat kann bei allen Piercings zum Einsatz kommen. Wichtig ist, dass die Pflegemittel keinen Alkohol enthalten, denn Alkohol führt schnell zur Austrocknung der Haut und dies kann zu Rissen und damit neuen Verletzungen der umliegenden Hautpartien führen.

Benutzen Sie keine Cremes oder Salben, diese verstopfen leicht den Wundkanal und blockieren damit den Abfluss von Wundsekret. Das in den Salben enthaltene Fett führt zum Aufweichen der Wunde und verhindert damit ebenfalls die schnelle Heilung des Piercings.

Piercing im Kopfbereich – worauf achten?

Piercings im Kopfbereich sollten beim Schminken ausgespart werden. Aggressive Kosmetikprodukte könnten Entzündungen hervorrufen. Pflegen Sie Ihr Gesicht mit einer milden Waschlotion oder Seife und vermeiden Sie Produkte, die Alkohol enthalten. Vorsicht geboten ist beim An- und Auskleiden, hier können Sie sich schnell im Piercing verfangen und die Haut kann einreißen.

Ohrenpiercing Pflege

Ohrstecker sind die häufigsten Piercings. Zunächst werden Erststecker verwendet. Diese dürfen erst ausgetauscht werden, wenn die Wunde vollständig verheilt ist. Wer hier zu voreilig reagiert, riskiert, dass sich das Ohrloch wieder schließt oder nicht komplett verheilen kann.

» Tipp: Erststecker in den Ohrläppchen können nach etwa sechs Wochen entfernt werden. Piercings im Knorpel sollten bis zu einem Vierteljahr nicht ausgetauscht werden.

Während der ersten Wochen sollte das Ohr nicht zu häufig berührt werden, meist sind die Hände nicht frei von Bakterien und die Infektionsgefahr ist groß. Vorsicht geboten ist bei Schals, Hüten und Mützen. Diese sollten weder zu viel Druck auf das Ohr ausüben, noch sich im Piercing verfangen.

Bei der Pflege arbeiten Sie mit Wattestäbchen oder einem Wattebausch. Die Hände waschen Sie sich vorab mit antibakterieller Seife oder Lotion. Der Wattebausch wird in die Desinfektionslösung getaucht und das Ohr damit sanft betupft. Es wird der gesamte Bereich des Ohres behandelt. Die Lösung sollte dabei in das Ohrloch eindringen. Die Reinigung sollte in den ersten Wochen dreimal täglich durchgeführt werden.

» Tipp: Die Desinfektion ist auch nach jedem Duschen oder Baden notwendig, damit keine chemischen Substanzen von Duschbad oder Haarpflegemittel in das Ohr eindringen.

Was ist beim Oralpiercing zu beachten?

Nach jedem Essen ist der Mund gründlich mit Wasser auszuspülen. In den ersten Tagen sollten Sie keine scharfe oder heiße Nahrung zu sich nehmen, um die Hautpartie nicht zusätzlich zu reizen. In den ersten Tagen nach dem Piercen ist Rauchen tabu. Trinken Sie viel stilles Wasser und essen Sie vorsichtig.

Es sollte nicht zum Austausch von Körperflüssigkeiten kommen, daher sind Küssen und Oralsex in den ersten Tagen ebenfalls zu vermeiden. Auch Milchprodukte oder Fruchtsäuren sollten möglichst nicht in Kontakt mit der frischen Wunde gelangen.

Was ist bei Intimpiercings zu beachten?

Tragen Sie keine zu enge Kleidung. Diese könnte sich im Piercing verfangen und es könnte zu Rissen und Blutungen kommen. Damit das Piercing nicht schwitzt und gut abheilen kann, tragen Sie atmungsaktive Unterwäsche. Während der Abheilzeit sollte kein Sex stattfinden.

Piercing Pflege nach einigen Wochen

Nach einigen Wochen sollte sich eine neue Hautschicht gebildet haben und das Infektionsrisiko sinkt. Bis das Piercing komplett verheilt ist, sollten Sie weiterhin regelmäßig mit einer Kochsalzlösung spülen. Die Abheilzeiten für Piercings sind je nach Körperregion unterschiedlich. Neue Haut bildet sich nur langsam und von außen nach innen. Gehen Sie daher auf Nummer sicher und wechseln Sie das Piercing erst aus wenn folgende Fristen verstrichen sind.

Piercing Abheilzeit
Ohrläppchen 4 Wochen
Augenbraue 4 – 8 Wochen
Bauchnabel 3 – 6 Monate
Unterlippe 4 Wochen
Zunge 4 Wochen
Brustwarze 6 Monate

Beitragsbild: © Microgen – Fotolia.com

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