Ist ein fleischloser Tag pro Woche sinnvoll?

Die Grünen fordern einen fleischlosen Tag – für die eigene Gesundheit und für die Umwelt. Aber ist dieser wirklich sinnvoll? Wir klären Sie auf.

Einen Veggie-Tag in der Woche – das haben die Grünen schon im Jahr 2013 beworben. Doch wie viel kann nur ein fleischfreier Tag pro Woche wirklich bewirken? Eines ist klar: Nicht nur der eigenen Gesundheit könnte damit geholfen sein. Denn auch die Umwelt hat etwas davon. Die Klimabilanz von Fleisch ist denkbar schlecht. Schon ein fleischloser Tag tut enorm viel für den Klimaschutz, sofern möglichst viele Menschen mitmachen. Was ein wöchentlicher Veggie-Tag tatsächlich bewirken kann, verrät der nachfolgende Ratgeber.

Weniger Fleisch ist gut für die Gesundheit

Auch wenn Fleisch reich an Eisen ist und es durchaus gute Gründe gibt, die für den Verzehr von Fleisch in einer soliden Bio-Qualität sprechen, ist weniger Fleisch auch gut für die Gesundheit. Wer zu viel Fleisch ist, provoziert sogar ein höheres Risiko, von verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen zu sein. Weniger Fleisch, Wurstwaren und andere Erzeugnisse aus Fleisch zu konsumieren, bedeutet demnach, dass das Risiko solch einer ernährungsbedingten Krankheit abnimmt. Nicht nur das Risiko von Herzerkrankungen steigt mit einem übermäßigen Fleischkonsum enorm an. Auch die Wahrscheinlichkeit, von Krebs oder einem Schlaganfall betroffen zu sein, nimmt deutlich zu.

Da es sich bei den genannten Krankheiten um die häufigsten Todesursachen hierzulande handelt, ist ein fleischfreier Tag pro Woche der eigenen Lebenserwartung zuliebe durchaus sinnvoll. Dies mag ein Grund sein, warum einige Großkonzerne sich den fleischfreien Tag schon auf die Fahnen geschrieben haben. Indem die Kantinen an diesem Wochentag schlichtweg kein Fleisch servieren, haben die Mitarbeiter zumindest an ihrem Arbeitsplatz nicht die Möglichkeit, Fleisch zu essen. Puma und die Versicherungskammer von Bayern, deren Sitz sich in München befindet, machen es vor.

Wie viel Fleisch ist zu viel Fleisch?

Schon ein fleischfreier Tag kann ein Schritt in die richtige Richtung sein. Denn die Deutschen nehmen im Schnitt pro Woche viel zu viel Fleisch zu sich. Männer essen rund ein Kilogramm oder sogar noch mehr Fleisch pro Woche, während es bei Frauen immerhin 600 Gramm sind. Da es sich dabei nur um Durchschnittswerte handelt, gibt es in der Praxis mit Sicherheit Ausreißer nach oben. Dies hat die Nationale Vezehrsstudie II zumindest gezeigt. Empfohlen wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung jedoch nur ein Konsum von 300 bis höchstens 600 Gramm wöchentlich.

Allerdings sollte an dieser Stelle auch gesagt sein, dass ein fleischfreier Tag pro Woche natürlich niemanden davon abhalten kann, an den restlichen Wochentagen bei Fleisch noch deutlich mehr als bisher zuzulangen. Dann würde der fleischfreie Tag seine Wirkung klar verfehlen. Sofern die Annahme, dass der Fleischkonsum durch den Veggie-Tag tatsächlich reduziert wird, jedoch zutrifft, würde zumindest die Durchschnittsfrau mit ihren sechs Siebteln Fleisch im empfohlenen Bereich landen. Für den deutschen Durchschnittmann reicht ein fleischfreier Tag jedoch nicht aus. Es müssten für ihn schon mehrere fleischfreie Tage sein.

Weniger Fleisch der Umwelt zuliebe

Wie bereits angesprochen, sprechen sich auch viele Klimaschützer für mindestens einen fleischfreien Tag pro Woche aus. Denn die Klimabilanz von Fleischprodukten ist eine verheerende. Allein die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch ist genauso schädlich für die Umwelt, als wenn eine Strecke von 250 Autokilometern zurückgelegt werden würde. Dies besagt zumindest eine japanische Studie, die sich im Detail mit der Klimabilanz von Rindern beschäftigt hat.

Dabei sei es vor allem das Methan, welches das Vieh bei der Verdauung abgibt, das so schädlich für die Umwelt ist. Hinzu kommt, dass das Futter für die Tiere selbst ebenfalls erst angebaut werden muss. Diese landwirtschaftliche Produktion geht mit ihrer ganz eigenen Klimabilanz einher, die dann zu der Umweltbilanz der Rinder an sich kombiniert werden muss. Auch das bayerische Umweltministerium hat die entsprechenden Zahlen bereits zusammengefasst:

  • Ein durchschnittlicher Fleischesser verursacht pro Jahr gut 1,8 Tonnen CO2
  • Bei einem Vegetarier beträgt dieser Wert weniger als eine Tonne CO2 jährlich

Bei der Viehaufzucht für die Fleischproduktion ist zudem zu bedenken, dass sich auch der Mist der Tiere negativ auf die Umweltbilanz auswirkt. Denn nicht nur der Boden, sondern auch das Wasser wird entsprechend belastet. Auch wenn die Bilanz der japanischen Studie bereits verheerend ausfällt, sollte an dieser Stelle gesagt sein, dass die Wissenschaftler die Umweltbilanz des Fleischtransports nicht einmal berücksichtigt haben.

Der CO2-Ausstoß, der anfällt, da das Fleisch vom Bauern zum Schlachter, vom Schlachter zum Supermarkt und vom Supermarkt zum Verbraucher transportiert werden muss, muss entsprechend noch addiert werden. Diese schlechten Werte zeigen somit ganz deutlich, warum möglichst viele fleischfreie Tage pro Woche für die Umwelt so wichtig sind.

Fazit

Auch wenn Firmenkantinen im Süden von Bayern den fleischfreien Tag pro Woche bereits praktizieren, scheint es eher unwahrscheinlich, dass diese Praxis deutschlandweit Schule machen wird. Schließlich möchten sich die meisten Fleischesser selbst dann, wenn sie diese Maßnahme begrüßen, wohl kaum vorschreiben lassen, wann sie Fleisch essen dürfen und wann nicht. Dass ein fleischloser Tag sinnvoll ist, müssen allerdings auch die ärgsten Kritiker zugeben. Schließlich ist ein fleischfreier Tag pro Woche wohl die einfachste Möglichkeit, wie die Menschen etwas für den Klimaschutz tun können. Sie müssen sich nicht großartig umstellen und sich in Bezug auf ihren Fleischkonsum nur gering einschränken. Da Fleisch im Vergleich zu vielen Gemüsesorten recht teuer ist, kann dies sogar den eigenen Geldbeutel ein wenig schonen.

Noch dazu ist weniger Fleisch auf Dauer gut für die Gesundheit. Ob ein fleischfreier Tag allein ausreicht, hängt allerdings von dem bisherigen Fleischkonsum ab. Denn gerade die männlichen Deutschen essen dermaßen viel Fleisch, das es mit einem einzigen fleischfreien Wochentag nicht getan ist. Wenn dann noch Fleisch von minderer Qualität konsumiert wird, das womöglich aus Tieren produziert wurde, die vorher mit Antibiotika vollgepumpt wurden, ist dies umso bedenklicher für die eigene Vitalität.

Fest steht: Wer etwas für seine Gesundheit und damit auch für eine längere Lebenserwartung tun will, der sollte im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung regelmäßig auf Fleisch verzichten.

Wer dennoch nicht auf den Geschmack von Fleisch verzichten will, hat die Möglichkeit, verschiedene Ersatzprodukte im Supermarkt zu kaufen. Denn immer mehr Hersteller haben sich auf (Teilzeit-) Vegetarier, die den Geschmack von Fleisch eigentlich mögen, eingestellt. Ob diese Ersatzprodukte besser für die eigene Gesundheit sind als Fleisch, sei an dieser Stelle dahingestellt. Schließlich enthalten sie häufig viele Zusatzstoffe, von denen Gesundheitsexperten allen Verbrauchern ebenfalls nur abraten können. Besser ist es daher, sich an einem fleischfreien Tag wirklich vorrangig auf pflanzliche Kost aus Zutaten, die direkt aus der Natur und nicht aus einer industriellen Produktion stammen, zu konzentrieren.

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